Pegida!

Mann, ich kann dieses Wort nicht mehr hören und ich kann diese Leute nicht mehr sehen!

Als es mal kurz hypothetisch in der Luft schwebte, dass Deutschland eventuell Edward Snowden Asyl gewähren könnte, dachte ich: Wow, wenn die das machen, dann hätte ich Grund zu sagen „Ich bin stolz ein Deutscher zu sein“.

Ich würde das gern sagen können. Ein bisschen zumindest.

Dank Pegida und Ähnlichem bleibts aber wieder beim „Ich schäme mich, ein Deutscher zu sein“. 

Andrerseits bin ich froh, dass es Pegida gibt. Es zeigt uns, woran wir sind. Es zeigt uns, dass sich in den letzten 80 Jahren nicht viel geändert hat im deutschen Kopf. Die gleichen Leute, die heute alles mögliche auf Islamisten projizieren, haben in der Nacht des 9. November 1938 Scheiben eingeworfen. Aber um dieses Potenzial zu verifizieren reicht es auch, sich an einen Stammtisch zu setzen. Nicht nur heute, auch schon vor zwanzig Jahren.

Ist es also der deutsche Mensch-Durchschnitt, der so scheiße drauf ist? Ich weiß es nicht. Es ist auf jeden Fall die verfluchte Bequemlichkeit, Selbstgerechtigkeit und gefährliche Arroganz des Spießers. Der Spießer ist leider eine immer noch weit verbreitete Existenzform. Er hatte ja sogar mal sein eigenes Regime, von 1933 bis 1945. Was für ein Debakel nur, das mit dem Krieg.

Ich fand mal eine ziemlich gute Definition des Spießers und erlaube mir hier, sie – leicht gekürzt – zu zitieren:

Einen Spießer […] nennen wir einen Menschen, der einen engen und begrenzten geistigen Horizont hat, der der Kleinheit seiner Lebensverhältnisse entspricht. Spießer wenden sich bewußt ab von allen Fragen, die ihren Horizont überschreiten. Sie haben nie Zivilcourage und plappern dafür immer die Klischeemeinungen nach, die jeweils in sind, und verhalten sich auch sonst im Rahmen der üblichen Klischees, selbst wenn dies im Einzelfall äußerst unvorteilhaft für sie ist.

Wenn sie einen anderen Menschen verurteilen, tun sie das mit der Selbstsicherheit der Menschen, die sich stets absolut sicher sind, daß sie selbst nie in die Lage dessen kommen, den sie verurteilen. So kommen sie auch nie auf die Idee, in der Fehlerhaftigkeit des von ihnen Verurteilten ein oft kaum zu entwirrendes Durcheinander von tragischer Verstrickung und von Nachlässigkeiten und Böswilligkeiten anderer zu entdecken. […]

Spießer wollen auch nicht wahrhaben, dass in ihnen selbst möglicherweise genau dieselben Boshaftigkeiten stecken wie in denjenigen Menschen, die sie verurteilen, nur, daß ihnen selbst (für die Mitmenschen vorläufig glücklicherweise) der Mut oder die Gelegenheit fehlt, auch diese Boshaftigkeiten in die Tat umzusetzen, sie sind also voller negativer Projektionen. Wenn dann aber einmal ein starker Mann kommt, der diese Umsetzung in die Hand nimmt, lassen sie diesen begeistert gewähren und helfen auch noch dabei. Und hinterher streiten sie natürlich jede Mitverantwortung ab. […]

Die beliebtesten Worte eines Spießers sind „aber trotzdem“. Spießer sind vorzugsweise gegen das Böse, und sie haben dabei auch „hervorragende“ Patentrezepte auf Lager. Bei diesen sind sie selbst einerseits jedoch nie betroffen, so daß eine eigene Änderung nie notwendig ist, und andererseits sind sie so kurzsichtig, daß noch Böseres geschieht, wenn ihre Rezepte tatsächlich einmal in die Wirklichkeit umgesetzt werden sollten. Aber Spießer sind üblicherweise sehr vergeßlich und nehmen das dann gar nicht mehr wahr, denn sie kümmern sich schon um die nächsten patenten Lösungen von Gut und Böse. Spießer lassen sich nie durch ihre Fehlurteile beeindrucken. Ein beliebtes Argument ist das „aber trotzdem“, mit dem sie stets wirkliche und plausible Alternativen, die ihnen dargestellt werden, über den Haufen werfen. […]

Spießer haben für alles Rationalisierungen, auch für ihre eigene Hartherzigkeit, sie sehen eben nie so genau hin und bevorzugen halbe Sachen und sind im Grunde nützliche Idioten für die wirklich Bösen, weil sie sich nie angesprochen fühlen, etwas Geeignetes zu unternehmen. […]

Ja, richtige Worte am Schluss: etwas Geeignetes zu unternehmen. Etwas Geeignetes.

Erschreckend ist der Umgang der Medien mit Pegida und ähnlichen Ausflüssen. Kommt alles rüber wie Normalo-Demokrato-Statements. A bisserl xenophob vielleicht.

No, Señor: Das ist nicht normal! Das hatten wir schon mal durch! Ich will diese – braune – Scheiße nicht haben, nicht in München, nicht in Dresden, nicht sonstwo.

Ich hoffe, die Amerikaner haben noch volle Besatzungsmacht-Rechte hier. Würde mich fast beruhigen. Es sei denn, jemand hat eine Idee, wie man dieses himmelschreiend-dämliche deutsche Volk irgendwie auf ein akzeptables Level bringen kann.

Es ist definitiv nicht normal, was in diesem Land abgeht, und es ist weit davon entfernt, auch nur irgendwie tolerierbar zu sein. Sehr weit. Und es kotzt einfach nur an.

Ein Gedanke zu „Pegida!“

  1. Vielen Dank für das Ausgraben dieser Spießer-Definition.

    Ich stelle mir die Frage, was mich zur Spießerin macht. Denn ich habe gewiß eine gute Portion Spießertum in mir, und, da bin ich mir sicher, ein jeder andere auch.

    Und die Anwort findet sich sogleich im letzten Satz, den Du auch bezeichnenderweise wiederholt hast: „weil sie sich nie angesprochen fühlen, etwas Geeignetes zu unternehmen“.

    Dieser Satz, dieser Gedanke, in Zusammenhang mit dem oben Genannten, sind für mich Anlass, sich wieder einmal Gedanken genau hierüber zu machen.

    Und danach zu Handeln. Was für ein Imperativ.

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